KAS – Dr. Keihan Ahmadi-Simab · Cura et Cognitio
Ein Thema über Fachgrenzen hinweg

Entzündung verbindet viele der Fragen, mit denen ich mich in der Rheumatologie, der Klinischen Immunologie und der Gastroenterologie beschäftige. Mich interessiert, wodurch entzündliche Prozesse entstehen, weshalb sie fortbestehen und wie sie die Gesundheit langfristig beeinflussen. Diese fachübergreifende Perspektive prägt meine klinische Arbeit und meinen Blick auf Prävention.

Stille Entzündung und Stoffwechsel

Dabei geht es auch um chronische, niedriggradige Entzündungsprozesse, die häufig als stille Entzündung bezeichnet werden. Sie können über längere Zeit ohne eindeutige Beschwerden bestehen und stehen in Wechselwirkung mit Stoffwechselstörungen, insbesondere Insulinresistenz und vermehrtem Bauchfett. Entzündliche Mechanismen tragen zur Entstehung und zum Fortschreiten der Atherosklerose bei und verbinden so immunologische Vorgänge mit der Gesundheit von Herz und Gefäßen.

Entzündung und Krebsentstehung

Auch zwischen anhaltender Entzündung und bestimmten Krebserkrankungen bestehen wichtige Zusammenhänge. Chronische Entzündungsprozesse können das Erbgut schädigen und Veränderungen im Gewebe begünstigen, die zur Entstehung und zum Wachstum von Tumoren beitragen. Nicht jede Entzündung führt jedoch zu Krebs. Entscheidend sind unter anderem ihre Ursache, Dauer und Lokalisation sowie weitere individuelle Risikofaktoren.

Entzündung und biologisches Altern

Ein weiteres Thema ist das Zusammenspiel von Entzündung und biologischem Altern. Anhaltende Entzündung kann Alterungsprozesse fördern. Zugleich können seneszente Zellen, die sich nicht mehr teilen und deren Funktion verändert ist, entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzen. Diese wechselseitige Verstärkung ist ein wichtiger Bestandteil der Forschung zum entzündungsassoziierten Altern, dem sogenannten Inflammaging. Sie erklärt das Altern nicht allein, eröffnet aber eine Perspektive auf den langfristigen Erhalt von Gesundheit.

Mikrobiom und Immunsystem

Besonders beschäftigt mich in diesem Zusammenhang das Darmmikrobiom. Die Darmmikroorganismen, ihre Stoffwechselprodukte, die Darmbarriere und das Immunsystem beeinflussen sich gegenseitig. Veränderungen dieses Zusammenspiels können entzündliche Prozesse begünstigen und über den Darm hinaus Bedeutung erlangen. Welche Konsequenzen sich daraus für die einzelne Person ergeben, muss sorgfältig eingeordnet werden: Ein verändertes Mikrobiom allein erlaubt noch keine verlässliche Aussage über eine Erkrankung oder die passende Behandlung.

Behandlung und Prävention

Für meine ärztliche Arbeit bedeutet das, entzündliche Erkrankungen, Stoffwechselgesundheit und Lebensgewohnheiten im Zusammenhang zu betrachten. Ernährung, Bewegung, Schlaf, Rauchen und die persönliche Belastungssituation gehören deshalb ebenso in das Gespräch wie Beschwerden und medizinische Befunde. Mein Anliegen ist, relevante Ursachen und beeinflussbare Risiken zu erkennen und daraus einen individuell begründeten Plan für Behandlung und Prävention zu entwickeln.

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